Dieseldunst
In den Gelben Seiten unter Träumer.

01.06.26, 13:40
In einem streckenweise etwas flachen Interview mit einem ehemaligen Minister finde ich eine Anmerkung besonders interessant: Der ehemalige Minister bespricht seine Idee, die fraktionelle Sitzordnung im Parlament aufzuheben, damit die Fraktionsvorsitzenden nicht mehr sehen, wer für wen klatscht, und damit die Ausrichtung der Redebeiträge weniger nach innen, also an die eigenen Leute, gerichtet werden. Das wäre ein kleiner Schritt in Richtung eines freien Mandates und zur Reduktion der Macht der Fraktionen. Diesen begrüße ich ausdrücklich, verbunden mit der Frage, wie es zu einer Wahlrechtsreform passt, die unter genau diesem ehemaligen Minister und immerhin damals auch Vizekanzler durchgeführt wurde, und die das freie Mandat zugunsten der Parteien und Fraktionen enorm beschädigt hat, weil seither der Listenplatz deutlich wichtiger geworden ist als der gewonnene Wahlkreis. Hinwendung zur Fraktion und zur eigenen Gruppe, wissenschon. Mit dieser Kenntnis ist es natürlich humoristisch wertvoll, eine andere Sitzordnung vorzuschlagen.
(Daß ausgerechnet Traktoren für radelnde Schulkinder die größte Gefahr darstellen sollen und diesen ehemaligen Minister erst in die Politik getrieben haben, lasse ich mal so stehen. Meine Erfahrungen auf Feldwegen, ob vom Traktor oder vom Fahrrad aus, passen dazu nicht.)

Nachtrag: Ich möchte dazu passend auf meinen alten Vorschlag verweisen, die Hälfte der Sitze nach Listenwahl zu verteilen, und die andere Hälfte nach Wahlkreisen. Dabei darf ein Kandidat nicht gleichzeitig für Liste und Wahlkreis kandidieren. In einer Partei darf jeder Kandidat natürlich sein und auch in einer Fraktion. Wir hätten damit ein stärkeres freies Mandat, einen definiert großen Bundestag, und einen direkten Einfluss von Bürgern auf ihre Kandidaten. Aber das kann nun wirklich keiner wollen.