... Vorwärts fahren
21.02.26, 15:35
Also nochmal: Ihr wart damals völlig überzeugt von der Notwendigkeit und Angemessenheit von Hausdurchsuchungen wegen Witzbildchen im Internet, und heute seid ihr gegen eine Klarnamenpflicht. Dabei könnte man den bösen, bösen Bildchenteilern damit doch so einfach das Handwerk legen. Fast würde ich mir diese Pflicht herbeiwünschen - auch wenn sie meine Stimme zum sofortigen Verstummen bringen würde - nur, um euch die Medizin schmecken zu lassen, die ihr anderen verschreiben wolltet.
21.02.26, 10:56
Bei aller Nostalgie und aller Liebe zur kleinbäuerlichen Landwirtschaft, also der eigenständigen, eigenverantwortlichen und familiären Betriebsstruktur, bei Adler Liebe zu dem, was ich ab und an wie an diesem Wochenende noch aushilfsweise tun darf, bei aller Liebe, wiederhole ich ein drittes Mal, rumort es doch in mir ob des kürzlich gesehenen Filmbeitrages, der einen modernen Milchviehbetrieb mit industrieller Struktur zeigte. Was kann falsch sein, wenn es den Tieren und den Menschen besser geht? Die Menschen haben Arbeitszeiten und sind von den schwersten Arbeiten befreit. Die Tiere haben Betreuung und Bedürfnisbefriedigung, wie es ein Mensch allein nicht leisten kann. Deshalb bin ich ja ab und an noch auf den anderen, den alten Betrieben, denke ich: weil ich es dort noch kann, und weil dort die Aushilfe noch gebraucht wird. Die neuen organisieren und entlasten. Es ist nicht schlecht, nicht falsch, und vielleicht ist mein Widerstreben allein der Erinnerung geschuldet, wie ich als Kleinkind gehalten vom Opa auf einer Kuh geritten bin, die ihre Jahre im Anbindestall verbracht hatte. In der Wärme, in der schlechten Luft, anstatt in der Frische des Außenklimas. Selbst trockener ist es dort, man muss es eingestehen.
Bei allem Wohl der Tiere und der Menschen, die nun Angestellte sind, bleibt eines: die Willkür eines Konzerns aus Zahlen. Es dürfen doch die Flächen, die Tiere und die Produktion nicht in der Hand so Weniger, vor allem so wenig Greifbarer zu liegen kommen. Es muss doch eine sinnvolle Obergrenze wirtschaftlicher Strukturen geben, bei der sie die gesellschaftlichen nicht überflügeln, übertölpeln, übervorteilen können. Und bei der sie, wenn sie straucheln, den Rest nicht mit sich reißen können. Es muss doch eine Lehre geben aus den letzten zwanzig Jahren.
Zu dieser Willkür der Zahlen zählt auch der Rausch der Geschwindigkeit, der unsere Wirtschaft insgesamt erfasst hat. Die Bauern sind ja wenige, und als solche waren sie Eigentümer und Unternehmer vereint, und haben hierzulande eine billige Ernährung gesichert, indem sie harte Jahre einfach durchgestanden haben, in schlechten Jahren von den Reserven gelebt und für ihre Investitionen den ganzen Betrieb hoch verschuldet haben. Dies vor allem im Zeichen, auf eine kommende Generation zuzuarbeiten, den Betrieb für die Nachfolger zukunftsfähig zu machen. Aussteiger waren diejenigen ohne Nachfolger. Was Konzerne aus dem Lebensmittelmarkt machen, haben wir in den letzten Jahren gesehen: ein Markt ohne großes Wachstum bringt zunächst einen verbraucherfreundlichen Wettbewerb der Anbieter. Doch sobald diese groß und wenige genug geworden sind, kehrt sich das Kräfteverhältnis um, und die wenigen übrigen Konzerne, ob sie sich nun Oligopole nennen oder nicht, bestimmen die Preise. So haben sie als Mittelsmänner in den letzten Jahren auf der Verbraucherseite die Preise anheben und auf der landwirtschaftlichen Seite halten oder sogar drücken können. Ob es nun schädlicher für die Verbraucherpreise oder für die Versorgungssicherheit ist, wenn die landwirtschaftliche Produktion in die Hand zu weniger zu großer Konzerne gelangt, weiß ich nicht. Daß zu wenige und damit zu große Strukturen ungünstig sind, halte ich allerdings aus der Erfahrung anderer Branchen für sicher. Dazu kommt doch die böse Außenpolitik: Abhängigkeit. Bei den Energien, bei den Rohstoffen, bei den Lebensmitteln. Es sind alles Hebel, an denen andere ziehen, und es ist eine ungünstige Position, stets an der kürzeren Seite zu sitzen.
Es gäbe so viele Möglichkeiten: Eine Begrenzung der förderfähigen Schlaggrößen wäre eine Maßnahme des Naturschutzes ebenso wie sie als Begrenzung des Größenwachstums dienen könnte. Auf der Gegenseite könnte man Auflagen progressiv gestalten - daß ein Betrieb, der hunderttausende Menschen versorgt, andere Auflagen erfüllen muß als ein Betrieb, der nur ein paar hundert bedient, sollte doch eine Selbstverständlichkeit sein. Die Vorteile der Größendegression sind Kosten und Planbarkeit, und wie oben erkannt auch Tier- und Arbeitswohl, wenn ich das so nennen darf. Ihre Nachteile sind der Verlust von gesellschaftlicher Kontrolle, und die wären politisch zu regeln. Ach, Politik, ich höre hier auf.
Bei allem Wohl der Tiere und der Menschen, die nun Angestellte sind, bleibt eines: die Willkür eines Konzerns aus Zahlen. Es dürfen doch die Flächen, die Tiere und die Produktion nicht in der Hand so Weniger, vor allem so wenig Greifbarer zu liegen kommen. Es muss doch eine sinnvolle Obergrenze wirtschaftlicher Strukturen geben, bei der sie die gesellschaftlichen nicht überflügeln, übertölpeln, übervorteilen können. Und bei der sie, wenn sie straucheln, den Rest nicht mit sich reißen können. Es muss doch eine Lehre geben aus den letzten zwanzig Jahren.
Zu dieser Willkür der Zahlen zählt auch der Rausch der Geschwindigkeit, der unsere Wirtschaft insgesamt erfasst hat. Die Bauern sind ja wenige, und als solche waren sie Eigentümer und Unternehmer vereint, und haben hierzulande eine billige Ernährung gesichert, indem sie harte Jahre einfach durchgestanden haben, in schlechten Jahren von den Reserven gelebt und für ihre Investitionen den ganzen Betrieb hoch verschuldet haben. Dies vor allem im Zeichen, auf eine kommende Generation zuzuarbeiten, den Betrieb für die Nachfolger zukunftsfähig zu machen. Aussteiger waren diejenigen ohne Nachfolger. Was Konzerne aus dem Lebensmittelmarkt machen, haben wir in den letzten Jahren gesehen: ein Markt ohne großes Wachstum bringt zunächst einen verbraucherfreundlichen Wettbewerb der Anbieter. Doch sobald diese groß und wenige genug geworden sind, kehrt sich das Kräfteverhältnis um, und die wenigen übrigen Konzerne, ob sie sich nun Oligopole nennen oder nicht, bestimmen die Preise. So haben sie als Mittelsmänner in den letzten Jahren auf der Verbraucherseite die Preise anheben und auf der landwirtschaftlichen Seite halten oder sogar drücken können. Ob es nun schädlicher für die Verbraucherpreise oder für die Versorgungssicherheit ist, wenn die landwirtschaftliche Produktion in die Hand zu weniger zu großer Konzerne gelangt, weiß ich nicht. Daß zu wenige und damit zu große Strukturen ungünstig sind, halte ich allerdings aus der Erfahrung anderer Branchen für sicher. Dazu kommt doch die böse Außenpolitik: Abhängigkeit. Bei den Energien, bei den Rohstoffen, bei den Lebensmitteln. Es sind alles Hebel, an denen andere ziehen, und es ist eine ungünstige Position, stets an der kürzeren Seite zu sitzen.
Es gäbe so viele Möglichkeiten: Eine Begrenzung der förderfähigen Schlaggrößen wäre eine Maßnahme des Naturschutzes ebenso wie sie als Begrenzung des Größenwachstums dienen könnte. Auf der Gegenseite könnte man Auflagen progressiv gestalten - daß ein Betrieb, der hunderttausende Menschen versorgt, andere Auflagen erfüllen muß als ein Betrieb, der nur ein paar hundert bedient, sollte doch eine Selbstverständlichkeit sein. Die Vorteile der Größendegression sind Kosten und Planbarkeit, und wie oben erkannt auch Tier- und Arbeitswohl, wenn ich das so nennen darf. Ihre Nachteile sind der Verlust von gesellschaftlicher Kontrolle, und die wären politisch zu regeln. Ach, Politik, ich höre hier auf.
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