26.03.26, 23:30
Spätestens die Maske verändert den Menschen. Sie schränkt das Sichtfeld ein, und der Rest der schweren Schutzkleidung die Bewegungsfreiheit. Das gegenseitige Anschließen der Atemschutzgeräte ist der Beginn des wirklich ernsten Lebens. Wir sind andere, wenn die Druckluft zischt. Getrennt von der Welt und doch schwer trampeln wir die hölzernen Treppen nach oben. Wir bringen Wasser als rettendes und allerhand zerstörerische Werkzeuge mit uns. Geschlossene Türen öffnen sich, rauchende Zimmerdecken werden zu kläglichen Haufen aus gesplittertem Holz. Wir lachen, rufen, schreien uns an, während um uns das heiße Element brüllt. Wir sind Kameraden, erkennen uns halbblind im Rauch unter den Helmen. Und es ist gar nicht immer der Rückzug, der uns zurückverwandelt. Nicht die Dekontamination und das Umziehen auf offener Straße. Nicht die Dusche im Gerätehaus. Es kann länger dauern, bis sich die ausgesperrte Angst, das bezwungene Mitgefühl und die lähmende Unsicherheit ihre Wege zurück in unsere Körper bahnen und uns wieder in Menschen verwandeln. Ich habe Menschen mit zerschlagenen Armen winken sehen, bevor sie zurückgekehrt sind. Doch irgendwann ist es soweit, und das Eindringende lässt uns zusammensinken. Und mit einem Mal erkenne ich erst, was ich gesehen habe. Die kleinen, weißen Schuhe am Treppenabsatz, über die achtlos ein Dutzend Stiefel getrampelt sind. Wo dieses Kind nun die Nacht verbringen muß, und ob es wärmende Arme vorfindet. Und vielleicht schon bald schöne neue Schuhe.