texas-jim | 09.02.10, 17:47 | 'Die Verehrung des Wurstsalates'
Hätte ich beim großzügigen Verdoppeln des Rezepts etwa stutzig werden müssen, als schon im Original von sieben Eiern die Rede war? Und was mache ich jetzt mit dem vielen Kuchen?
texas-jim | 09.02.10, 15:12 | 'Saatengruen'
Wenn man unbedarft Pflanzen nach ihrem Aussehen einkauft und die Etiketten gleich wegwirft, lernt man beim Suchen nach Licht und Luft und Wasser manchmal mehr über Botanik, als man sich zu träumen gewagt hat.
texas-jim | 09.02.10, 13:41 | 'Buchstaben ueber dem Bett'
Gefunden zu werden, bevor man verlorengeht. Verloren ging. Verloren gegangen ist.
"...ich bin doch kein Salzstreuer!" spricht's, und flog davon, verscheucht, ein Specht.
"...ich bin doch kein Salzstreuer!" spricht's, und flog davon, verscheucht, ein Specht.
texas-jim | 09.02.10, 11:09 | 'Maschinen bauen, Mensch bleiben'
Mein neues Akkuladegerät hat eine herrlich komplizierte Anleitung, die in siebzehn Schritten das Laden, Entladen, Testen, und Auffrischen von allerlei Zellen beschreibt, und sowas macht einen wie mich ja immer glücklich.
texas-jim | 09.02.10, 01:07 | 'So missin' tug'
Und wieder spielt die Melodie von "I want to break free" in meinem Schädel. Ich bin es müde.
Und da bietet dieses Mädchen an, stumm und so zart zwischenzeilig, daß es das Ende wäre, sei, von mir aus, ich habs heut nicht mehr mit der Grammatik, und ich nehme das wieder nicht an, weil immer noch die Melodie spielt, über allem, und ich noch muß und soll, und oder, und da geht einer, und zwei sind der Rest, und mit einem Zettel von Neujahr rutsche ich ins Fettnäpfchen und muß ihn jetzt erzählen lassen und zusehen, wie sich seine Augen röten, weil das für ihn dazugehört, sich auszusprechen, hier, es ist nur der Ort und ein beliebiger Zuhörer, und ich habe das auch mal gedacht, so lange ist das noch gar nicht her, und ich habe an Freunde geglaubt, nur der Orte wegen, und deshalb lasse ich ihn reden, und ab und zu klirren Gläser, die das Schniefen übertönen, und irgendwann findet er einen Pfad und lacht, und da ist wieder mein Einsatz, die Vergangenheit, und ich erzähle, ich komischer Kauz, von den Fliesen, die ich hier gelegt habe, von den Lampen, dem Ausbau, dem Streichen, von all den Festen, und als ich ihn nach Hause fahre, da bedankt er sich, denn von den Alten hört er immer wieder gern, und er knallt die Tür zu, und ich allein, der kalte Vierzylinder unrund, die Kristalle eingefroren, und in mir "I want to break free", und daß es dafür wohl schon zu spät ist und ich erstarrt bin.
Und da bietet dieses Mädchen an, stumm und so zart zwischenzeilig, daß es das Ende wäre, sei, von mir aus, ich habs heut nicht mehr mit der Grammatik, und ich nehme das wieder nicht an, weil immer noch die Melodie spielt, über allem, und ich noch muß und soll, und oder, und da geht einer, und zwei sind der Rest, und mit einem Zettel von Neujahr rutsche ich ins Fettnäpfchen und muß ihn jetzt erzählen lassen und zusehen, wie sich seine Augen röten, weil das für ihn dazugehört, sich auszusprechen, hier, es ist nur der Ort und ein beliebiger Zuhörer, und ich habe das auch mal gedacht, so lange ist das noch gar nicht her, und ich habe an Freunde geglaubt, nur der Orte wegen, und deshalb lasse ich ihn reden, und ab und zu klirren Gläser, die das Schniefen übertönen, und irgendwann findet er einen Pfad und lacht, und da ist wieder mein Einsatz, die Vergangenheit, und ich erzähle, ich komischer Kauz, von den Fliesen, die ich hier gelegt habe, von den Lampen, dem Ausbau, dem Streichen, von all den Festen, und als ich ihn nach Hause fahre, da bedankt er sich, denn von den Alten hört er immer wieder gern, und er knallt die Tür zu, und ich allein, der kalte Vierzylinder unrund, die Kristalle eingefroren, und in mir "I want to break free", und daß es dafür wohl schon zu spät ist und ich erstarrt bin.
texas-jim | 08.02.10, 13:18 | 'Beautiful in my eyes'
Wie wir uns entsprechen, in unserer seltsamen Gehemmtheit. In unserem konsequenten Entscheiden und Verschweigen.
texas-jim | 08.02.10, 09:52 | 'Nicht drueber nachdenken'
Ich weiß noch gar nicht, ob es sich lohnt, hierauf etwas zu entgegnen.
texas-jim | 08.02.10, 09:47 | 'Overdressed im Schlafanzug'
So langsam dämmert mir, daß die Frage, ob denn ein "Leben nach dem Tod" stattfindet, mehr über den Fragenden aussagt, als über die Welt. Da gibt es die Schulterzuckenden, das sind die wahrhaft Glücklichen, denn was soll ihnen Besseres geschehen als das, was sie bereits haben? Und vor was sollen sie sich fürchten, das doch alle trifft? Da gibt es die Verzagten, die Unglücklichen, die sich auf eine Ferne stützen, denn je weiter das Ziel entfernt ist, und da ist es wie beim Golf, von dem ich ja auch nichts verstehe, umso unwichtiger wird es, wo ich den Ball jetzt hindresche, Hauptsache weit.
Demnach müsste das Ziel eine Gleichgültigkeit gegenüber der Endlichkeit sein. Das Bemühen um Änderungen zu jedem Zeitpunkt. Vielleicht ist es das, oder ich habe nur schon wieder zuviel Updike gelesen und alles ist mal wieder halb so schlimm.
Demnach müsste das Ziel eine Gleichgültigkeit gegenüber der Endlichkeit sein. Das Bemühen um Änderungen zu jedem Zeitpunkt. Vielleicht ist es das, oder ich habe nur schon wieder zuviel Updike gelesen und alles ist mal wieder halb so schlimm.
texas-jim | 08.02.10, 08:18 | 'Overdressed im Schlafanzug'
Montagmorgen, kurz nach acht: Kein Muskelkätzchen. Hurra, ich bin ein alter Haudegen!
texas-jim | 07.02.10, 23:07 | 'Tonales Hoeren'
I wish I was
Homeward bound
Home, where my thought's escaping
Home, where my music's playing
texas-jim | 07.02.10, 23:00 | 'Der Vollstaendigkeit halber'
In meiner Erinnerung war ich früher ein besserer Rollschuhfahrer als ich heute ein Eisläufer war. Sobald ich mich zur Rücklage durchringen konnte, ging es, ähnlich meiner Skifahrerei, leidlich und mit viel Kraftaufwand. Dazwischen immer wieder grazile Schwünge und Kurven, deren Spuren ich hinterher, verwirrt und verkehrt herum fahrend, nachsehen konnte, bis ich rückwärts in die Bande krachte. Tröstend war, daß zwischen den Eistänzern und den Eisraketen mit einem Arm auf dem Rücken nicht nur ich eine wacklige Figur abgab.
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Der Besuch auf dem Futtertisch, und wie sie kaum glauben konnte, daß ein Sonntagabend um sieben genau für so etwas geeignet ist. Es gibt dort nicht nur Eis, es wird auch verkauft und verschenkt, und so fuhren wir weiter, sprachlos und mit dreierlei Sorten. Zwetschge, Johannisbeer, Kaffee.
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Nun prickelt das Knie, und morgen das Muskelkätzchen. Deshalb, und wegen sowieso und überhaupt, gehe ich morgen abend auch wieder klettern.
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Die roten Wangen, die glühende Stirn. Und ich merke erst, daß sie mir krank werden könnte, als sie sich kaum mehr auf den Beinen halten kann. Um eine Pause bittet, die sie mit gesenktem Kopf auf einer Bank verbringt, während der Becher in ihren Händen zittert.
Sie ist noch nicht durch die Haustür, die Tasche mit den Schlittschuhen schleift nachlässig hinter ihr her, da ruft ihre Mutter schon. "Kind, Du wirst mir ja krank." Dabei steht sie noch in der Küche, drei Türen weiter.
Mütter.
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Der Besuch auf dem Futtertisch, und wie sie kaum glauben konnte, daß ein Sonntagabend um sieben genau für so etwas geeignet ist. Es gibt dort nicht nur Eis, es wird auch verkauft und verschenkt, und so fuhren wir weiter, sprachlos und mit dreierlei Sorten. Zwetschge, Johannisbeer, Kaffee.
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Nun prickelt das Knie, und morgen das Muskelkätzchen. Deshalb, und wegen sowieso und überhaupt, gehe ich morgen abend auch wieder klettern.
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Die roten Wangen, die glühende Stirn. Und ich merke erst, daß sie mir krank werden könnte, als sie sich kaum mehr auf den Beinen halten kann. Um eine Pause bittet, die sie mit gesenktem Kopf auf einer Bank verbringt, während der Becher in ihren Händen zittert.
Sie ist noch nicht durch die Haustür, die Tasche mit den Schlittschuhen schleift nachlässig hinter ihr her, da ruft ihre Mutter schon. "Kind, Du wirst mir ja krank." Dabei steht sie noch in der Küche, drei Türen weiter.
Mütter.
texas-jim | 07.02.10, 12:52 | 'Das Auge des Betrachters'

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Wie könnte ich, der ich nicht einmal der einzigen Begleiterin, der einzigen Geliebten, die mich mein ganzes Leben begleitet, genug glauben kann, um ihr mein Leben anzudienen, wie könnte ich Zauderer mich so schnell und so definitiv entscheiden, mehr noch, wie könnte ich eine so schnelle und so definitive Entscheidung eines anderen akzeptieren?
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"An Fascheng derfsch koi Alde han! Abr a Jonga, ällaweil."
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"Was klopft denn da so?"
- "Ich haue einen Nagel in die Wand."
- "Wozu?"
- "Wir hängen ein Bild von Dir auf. Sonst sieht man Dich ja gar nicht mehr."
Die allerschönste Einladung zum Sonntagskaffee.
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Ton in Ton gehen alte und neue Dreckspritzer in einander über, und ich komme mir ein wenig vor wie Pop-Art, wenn ich nicht so riechen würde.
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Irgendwann verstummt mein Eifer, und ich frage mich plötzlich, warum ich das Mögen denn begründen muß.
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Fläschnerarbeiten, denke ich, als ich fluchend die alte Dachrinne, die viel zu tief und viel zu verrostet und verdellt herabhängt, vollends abreiße, und da muß ich dann doch grinsen, und meine Gedanken nehmen den leeren Hof ein, wie der Hof sie einnimmt.
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Ein hagerer Langhaariger mit dürren Ärmchen und einem seltsam geknöpften Hemd. Das schwarze, lange Haar ist gefärbt und so unecht zerwühlt wie sein Hochdeutsch unecht gestriegelt ist. Mühsam versteckt er, auf was ich so stolz bin, und so sage ich mehrfach Kreizkrabbasackabrao, während er erzählt und fuchtelt, und einmal lasse ich die flache Hand auf den Tisch fallen, daß er erschrocken verstummt und nach seiner Freundin fasst, die mich fasziniert und verstohlen ansieht. Ich verstehe die beiden plötzlich, und der Gedanke an seine nächtlichen Bemühungen, mit den dürren Ärmchen und dem schwachen Fundament macht mich seltsam wohlig grinsen in meiner Boshaftigkeit. Mit Trauben und Bier winke ich ihr zu, als die beiden gehen, und es war schon immer so, daß ich viel genauer wusste, was ich nicht wollte.
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Der Versuch, mich zu beschreiben.
texas-jim | 05.02.10, 19:40 | 'Nachdenken im Dativ'
Armut macht auch nicht zwingend glücklich.
texas-jim | 05.02.10, 19:39 | 'Die Verehrung des Wurstsalates'
Den Winter an den Haaren austreiben.
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Haargelfabrikanten, mich kriegt ihr nicht!
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Es gibt wohl zwei Arten von Menschen, die man mit einem Kommentar zu ihrer Frisur nicht treffen kann. Die, die damit ihre Einstellung zeigen möchten. Und die, die sich nicht um anderer Leute voreilige Schlüsse kümmern.
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Trotzdem kalte Ohren.
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Haargelfabrikanten, mich kriegt ihr nicht!
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Es gibt wohl zwei Arten von Menschen, die man mit einem Kommentar zu ihrer Frisur nicht treffen kann. Die, die damit ihre Einstellung zeigen möchten. Und die, die sich nicht um anderer Leute voreilige Schlüsse kümmern.
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Trotzdem kalte Ohren.
texas-jim | 05.02.10, 14:19 | 'Press any key to reboot'
In meiner kleinen Büroecke lässt es sich heute leben.
texas-jim | 05.02.10, 10:45 | 'Nicht drueber nachdenken'
Lieber Wetterfroscho,
das hast Du schön gemacht. So eine Sauerei gestern abend. Und ich in zu kleinen Gummistiefeln, weil die Bäurin mit Kreuz- und Außenband darniederliegt, und dann innerhalb von Sekunden die Ordnung in der Kleiderkammer explodiert ist. Wie das nur passieren konnte? Daran bist übrigens auch Du schuld - wegen Winter und Wetter und Schnee und Skifahren und so. Und meinen Overall hatte auch niemand gewaschen. Wer hätte das auch tun sollen?
Nun, ich stand da so, im Tauwetter, in dieser Pfütze, Mist aufladend, den Hänger reinigend, und dann war da noch dieses Flascherl Wein mit dem Bauern, und das Läuten an der Tür. "Du gehst?" sagt er, und klopft mir auf die Schultern. Was bei einem Zweimetermann mit guten zwei Zentnern jetzt auch nicht so ohne ist. Wegen der Weinflasche und der Fehleinschätzung, Du verstehst? Wenn der Bauer Wein trinkt, werde ich in seiner Wahrnehmung also vom Siebzig-Kilo-Radler zum Zehn-Zentner-Bullen, dem man auch mal gemütlich mit Händen wie Baggerschaufeln und einem Schwung wie ein Axthieb - ach. Lassen wir das. Ich also raus, steht ein Knirps an der Tür und blinzelt ins Licht. Vielleicht auch nur meines Geruches wegen. Aus dem Rachen nach Wein, aus allen anderen Richtungen nach dem, zu was auch der beste Wein mal wird. Mist laden, vom Mist reinigen, und so weiter, und das alles im Schneematsch. Mit zu kleinen Gummistiefeln. Ohne Overall. Ach, egal.
Er stammelt etwas vom Steckenbleiben und Herausziehen, und ich sage, daß ich mich kurz anziehen gehe. Grinsend taste ich mich durch den Gang, schließlich war der Wein Lohn vom letzten, den wir geborgen hatten, nur ein paar Stunden zuvor. Und leer war sie auch, es war also klar, was kommen mußte. Ich schlüpfe in die großen Gummistiefel, wegen der Flasche Wein und dem Zielen und so. Ich taste mich durch die dunkle Werkstatt, auf der Suche nach Gurt und Schlupf. Dann durch den dunklen Stall, während der Bub hinter mir penibel in der Mitte des Futterganges blieb. Links Tiere, rechts Tiere, und alle schnauben. Ich glaube, so hatte er sich das nicht vorgestellt.
Schlepper anwerfen, tröstendes Licht verbreiten. Ich hänge den Wagen ab und bin startbereit. Los los, winke ich dem Jungen. Und nun, wohin? Wortlos zeigt er mir den Weg, während ich irgendeinen Schlager der Volksmusik vor mich hin pfeife.
Der Feldweg ist völlig verschneit. Und ganz unten in der Senke ein großer Mercedes, bis zu den Scheinwerfern eingegraben, mit Fahrerin, bis zu den Ohren vermummt. Ich knie mich in den Schnee und beginne zu graben. Und, toller Kerl der ich bin, finde die Stoßstange auch irgendwann und arbeite mich daran nach unten. Die Haken sind immer rechts, denke ich noch, da bleibe ich mit der Hand an irgendeinem Lufteinlass hängen und habe denselben im selben Augenblick schon in derselben. Verwirrend? Sehen Sie, mir ging es genau so.
War aber nur das Stück, das man sowieso herausbrechen muß, um an den Abschlepphaken zu kommen. Ob man das so schwungvoll tun sollte, weiß ich nicht, aber der Kunststoff war neu und noch voller wunderbarer giftiger Weichmacher. Ich verbinde Auto und Schlepper, und die Dame fragt mich, was sie tun soll. Licht aus, sage ich, Motor laufen lassen, Leerlauf, und nur soviel lenken wie nötig. Am besten geradeaus. Den Rest mache ich, und nach einigen hundert Metern, in denen der Mercedes zum Schneeschieber mutiert, haben wir wieder festen Boden.
Jetzt können die anderen wenigstens fahren, sage ich grinsend zu der Dame. Sie wirkt ein wenig erschrocken und sagt nichts. Stattdessen schaut sie unglübig der tiefen Spur nach, die sich im Dunkel verliert, während ich das beleidigte Plastikteil wieder halbwegs einpasse. Ich klopfe, es knackt, das nenne ich Arbeitsteilung, denke ich, und schon sitzt es. Hurra.
Frau und Sohn kommen aus einem Dorf, zwei Ortschaften von hier, und sie hat ihn von seiner neuen Freundin abgeholt. Hat er sich wohl auch anders vorgestellt, der arme Tropf. Und als die Dame mich fragt, wie sie mir denn danken könne, lache ich, daß bisher jeder eine Flasche Wein vorbeigebracht hat.
Jetzt kann sie auch wieder lachen. Das ist doch was. Ich verabschiede mich und trage meinen Schwips nach hause, und sie ihren Sohnemann samt Auto. Na also.
Was ich sagen wollte: Als ich heute morgen aus der Einfahrt rollte, rutschte ich ein wenig den Hang hinunter und stand quer in der Hauptstraße. Immerhin in Fahrtrichtung, dachte ich mir, startete den Motor und begann mein kleines Abenteuer über die Eispiste, die sommers ein Feldweg sein soll. Glatt wars, und so ging es auch, dank zweier flinker Hände und Füße und einer guten Portion Freude an der Querbeschleunigung. Das haben wir, dachte ich eine halbe Stunde später, rieb mir die Hände und schob den Schlüssel in die Jackentasche. Der Beemes blinkte zum Abschied, und ich setzte mich vor dem Haupteingang auf den Hosenboden.
Danke, Wetterfroscho.
das hast Du schön gemacht. So eine Sauerei gestern abend. Und ich in zu kleinen Gummistiefeln, weil die Bäurin mit Kreuz- und Außenband darniederliegt, und dann innerhalb von Sekunden die Ordnung in der Kleiderkammer explodiert ist. Wie das nur passieren konnte? Daran bist übrigens auch Du schuld - wegen Winter und Wetter und Schnee und Skifahren und so. Und meinen Overall hatte auch niemand gewaschen. Wer hätte das auch tun sollen?
Nun, ich stand da so, im Tauwetter, in dieser Pfütze, Mist aufladend, den Hänger reinigend, und dann war da noch dieses Flascherl Wein mit dem Bauern, und das Läuten an der Tür. "Du gehst?" sagt er, und klopft mir auf die Schultern. Was bei einem Zweimetermann mit guten zwei Zentnern jetzt auch nicht so ohne ist. Wegen der Weinflasche und der Fehleinschätzung, Du verstehst? Wenn der Bauer Wein trinkt, werde ich in seiner Wahrnehmung also vom Siebzig-Kilo-Radler zum Zehn-Zentner-Bullen, dem man auch mal gemütlich mit Händen wie Baggerschaufeln und einem Schwung wie ein Axthieb - ach. Lassen wir das. Ich also raus, steht ein Knirps an der Tür und blinzelt ins Licht. Vielleicht auch nur meines Geruches wegen. Aus dem Rachen nach Wein, aus allen anderen Richtungen nach dem, zu was auch der beste Wein mal wird. Mist laden, vom Mist reinigen, und so weiter, und das alles im Schneematsch. Mit zu kleinen Gummistiefeln. Ohne Overall. Ach, egal.
Er stammelt etwas vom Steckenbleiben und Herausziehen, und ich sage, daß ich mich kurz anziehen gehe. Grinsend taste ich mich durch den Gang, schließlich war der Wein Lohn vom letzten, den wir geborgen hatten, nur ein paar Stunden zuvor. Und leer war sie auch, es war also klar, was kommen mußte. Ich schlüpfe in die großen Gummistiefel, wegen der Flasche Wein und dem Zielen und so. Ich taste mich durch die dunkle Werkstatt, auf der Suche nach Gurt und Schlupf. Dann durch den dunklen Stall, während der Bub hinter mir penibel in der Mitte des Futterganges blieb. Links Tiere, rechts Tiere, und alle schnauben. Ich glaube, so hatte er sich das nicht vorgestellt.
Schlepper anwerfen, tröstendes Licht verbreiten. Ich hänge den Wagen ab und bin startbereit. Los los, winke ich dem Jungen. Und nun, wohin? Wortlos zeigt er mir den Weg, während ich irgendeinen Schlager der Volksmusik vor mich hin pfeife.
Der Feldweg ist völlig verschneit. Und ganz unten in der Senke ein großer Mercedes, bis zu den Scheinwerfern eingegraben, mit Fahrerin, bis zu den Ohren vermummt. Ich knie mich in den Schnee und beginne zu graben. Und, toller Kerl der ich bin, finde die Stoßstange auch irgendwann und arbeite mich daran nach unten. Die Haken sind immer rechts, denke ich noch, da bleibe ich mit der Hand an irgendeinem Lufteinlass hängen und habe denselben im selben Augenblick schon in derselben. Verwirrend? Sehen Sie, mir ging es genau so.
War aber nur das Stück, das man sowieso herausbrechen muß, um an den Abschlepphaken zu kommen. Ob man das so schwungvoll tun sollte, weiß ich nicht, aber der Kunststoff war neu und noch voller wunderbarer giftiger Weichmacher. Ich verbinde Auto und Schlepper, und die Dame fragt mich, was sie tun soll. Licht aus, sage ich, Motor laufen lassen, Leerlauf, und nur soviel lenken wie nötig. Am besten geradeaus. Den Rest mache ich, und nach einigen hundert Metern, in denen der Mercedes zum Schneeschieber mutiert, haben wir wieder festen Boden.
Jetzt können die anderen wenigstens fahren, sage ich grinsend zu der Dame. Sie wirkt ein wenig erschrocken und sagt nichts. Stattdessen schaut sie unglübig der tiefen Spur nach, die sich im Dunkel verliert, während ich das beleidigte Plastikteil wieder halbwegs einpasse. Ich klopfe, es knackt, das nenne ich Arbeitsteilung, denke ich, und schon sitzt es. Hurra.
Frau und Sohn kommen aus einem Dorf, zwei Ortschaften von hier, und sie hat ihn von seiner neuen Freundin abgeholt. Hat er sich wohl auch anders vorgestellt, der arme Tropf. Und als die Dame mich fragt, wie sie mir denn danken könne, lache ich, daß bisher jeder eine Flasche Wein vorbeigebracht hat.
Jetzt kann sie auch wieder lachen. Das ist doch was. Ich verabschiede mich und trage meinen Schwips nach hause, und sie ihren Sohnemann samt Auto. Na also.
Was ich sagen wollte: Als ich heute morgen aus der Einfahrt rollte, rutschte ich ein wenig den Hang hinunter und stand quer in der Hauptstraße. Immerhin in Fahrtrichtung, dachte ich mir, startete den Motor und begann mein kleines Abenteuer über die Eispiste, die sommers ein Feldweg sein soll. Glatt wars, und so ging es auch, dank zweier flinker Hände und Füße und einer guten Portion Freude an der Querbeschleunigung. Das haben wir, dachte ich eine halbe Stunde später, rieb mir die Hände und schob den Schlüssel in die Jackentasche. Der Beemes blinkte zum Abschied, und ich setzte mich vor dem Haupteingang auf den Hosenboden.
Danke, Wetterfroscho.
... Rückwärts fahren