Dieseldunst
Auf altem Eisen blüht der Rost
Donnerstag, 18. 03 10

texas-jim | 18.03.10, 14:00 | 'Nicht drueber nachdenken'
Zwei Geburtstage vergessen. Kalender helfen eben auch nur, wenn man sie bei sich hat.

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Ich bekomme vom selben Autohaus jeden Brief doppelt. Das allein ist zwar kein guter Stil, aber noch nicht schlimm. Schlimm ist: mit diesem Autohaus hatte ich noch gar nie zu tun.

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Jetzt: Stubai. Machen Sie hier keine Dummheiten!
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texas-jim | 18.03.10, 10:41 | 'foire aux questions'
Finally: It's funny to me that people don't see the irony of giving poor reviews to a book of compiled reviews.

(Via, via, via, via. Wie schnell, wie weit, unsere Wege hier. Es gab Menschen, die glaubten, die Geschwindigkeit eines Zuges führte in den Wahnsinn, weil das Gehirn nicht mitkäme. Wir sollten noch einmal über diese Idee nachdenken, und darüber, was nicht mitkommt.)
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texas-jim | 18.03.10, 08:28 | 'Tonales Hoeren'
I saw you today
Then you walked away
And I couldn't breathe
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Mittwoch, 17. 03 10

texas-jim | 17.03.10, 19:15 | 'Das Auge des Betrachters'
Je schlechter es mir geht, umso besser kann ich mich konzentrieren. Voller Bauch studiert eben nicht gern, und volles Herz hat eben alles andere zu tun.

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Fünfhundert, sagt er, das ist eine Woche Urlaub irgendwo, und ich nicke lächelnd. Ich weiß nicht, was eine Woche Urlaub kostet. Doch hier werde ich die Fassade nicht einreißen. Ich möchte auch einmal wissen, wie das ist.

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Gekrümmte Flächen, und die schwierigste Geometrie versteckt sich im Innern, aber das ist ja oft so.
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texas-jim | 17.03.10, 10:50 | 'Strippen und so'
Noarchive, nofollow, noindex. Dankeschön.
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texas-jim | 17.03.10, 00:27 | 'RaffRaff'
Daß es tatsächlich die Probleme sind, die mich fesseln. Nicht das stupide Abtragen von Zahlen, das Anhäufen immergleicher Daten, Verdichtung des Unwissens. Sondern die offenen Fragen, die eben noch nicht beantwortet sind, und nicht durch Abschreiben zu lösen. Entdecken statt erfassen, erarbeiten statt abarbeiten.

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Kurz vor dem Niederschlag. Wenig Wut. Verteidigungsdrang. Durchatmen. All die offenen Flanken, und jeden sich aufdrängenden Konter begrüße ich knurrend und verabschiede ihn bemüht.

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Ich strecke die Beine unterm Tisch des Bauern aus und lasse mir das Neueste erzählen. Wie ich diese Sprache liebe, und die beiden, die irgendwann dazukommen. Irgendwann springt er auf und zeigt mit dem Finger auf mich: Warte hier.
Und so sehe ich tatsächlich einmal eine in der Flasche gewachsene Birne.

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Daß ich ausgerechnet einen Schildkrötenpanzer nur mit den Fingerspitzen anzufassen wage.

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Justiziabel, und daß es für alles Grenzen geben muß. Wo muss das Weghören aufhorchen?

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Wegwerfend, und doch hätte ich gute Lust, die Hunde loszulassen.

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Keine Zeile, keinen Schuß Pulver.

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Im Radio dann Walser und seine Tagebücher. Wie er "den R.R." ansah und sich vorstellen konnte, ihn zu ohrfeigen. Wie er sich viel später nur wundern konnte, daß ihn dieser so unverfroren anmoderierte. Ohne sich all die Wut vorstellen zu können, die Walser in seine Tagebücher geprügelt hatte.
Daß er sich ein Überleben ohne dieses stille Prügeln nicht hätte vorstellen können, sagt er, und wieder sehe ich meine zerfledderte Ausgabe des Fliehenden Pferdes im Regal ganz vorn.

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Ich war noch niemals in New York geht noch gar nicht. Blueberry Hill geht. Und natürlich der Seemann.
Das ist alles noch nicht flüssig und vielleicht noch nicht wirklich genießbar, sondern eher wie das erste große Mahl des Backfisches, von dem niemand einen zweiten Teller möchte und alle den ersten über den grünen Klee loben, während sie ihre Servietten fälteln und an ihren Wassergläsern schlürfen.

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Nein. Ich werde mich nicht nötigen lassen.

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Tatsächlich eine fehlende Zeile, und wieder der Sieg des Nachgiebigen.

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Ich werde nicht herauskramen, was man hier hätte lesen sollen.

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Pushed again.
You're dead.
Guns of Brixton.
Spanish bombs.
Mehr Kryptik, hooray!
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Dienstag, 16. 03 10

texas-jim | 16.03.10, 13:58 | 'Nicht drueber nachdenken'
Keck lege ich mich zum Mittagsschlaf in den Ruheraum nebenan, der als einziger Vorteil des neuen Büros durchgehen dürfte. Ich teile ihn mir mit einer der großen Pflanzen, die wir aus dem alten Büro gerettet haben und die jetzt trübselig im Halbdunkel steht. Außer mir traut sich niemand herein, und das sagt viel weniger über mich als über sie und die Firma, für die wir hier arbeiten.
Ich strecke mich auf der Liege aus, das Telefon neben mir, weil sie sich einen Spaß daraus machen, mich pünktlich wieder zu wecken. Doch kaum schließe ich die Augen und lasse mich vom Getrappel der Vorbeigehenden berieseln, plagen mich schon die Alpträume derer, die ich geliebt habe. Ich öffne irgendwann die Augen, und sie treten nur einen kleinen Schritt zurück.
Ich weiß doch auch nicht, will ich sie anschreien, ich wusste doch nicht, und ich wollte doch so!

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Wenn man so arbeitet, daß man es nicht bis sechzig durchhalten kann, sollte man auch so verdienen, daß man es nicht muß.

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Der Bauer reicht mir seine schwere Hand und schenkt mir sein warmes, lautes Lachen. Er erzählt von den Schlössern und den Gesellschaften, und sowas zeigt mir immer wieder einen Schemen von all dem, was diese Welt birgt.

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Immer noch sie, die ihn verließ, und er, der so wüst zerschmettert wurde.
Gründe, sagt einer, und ich zucke zusammen, weil ich den Grund verstehen kann. Die Neugierde, das Widerstreben gegenüber der Enge, des Pferchs, des gezeichneten, begrenzten Weges. Lieber alles zerstören, als so wenig zu tun.

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Wieder einmal sind die Tage, an denen ich nicht an mein Motorrad komme, die schönen, und ich werde irgendwann vom Wettergott die Steuern für März zurückforden, den durchgedrückten Zeigefinger auf dem papierbedeckten Schreibtisch, und "Heller und Pfennig!" werde ich wettern, aber ach, was hilfts?

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Ob ich verlängern soll?

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Ob ich zurück könnte? Ungebundenheit wäre nötig, und unser beider Wollen. Ob ich könnte? Ob ich wollte?
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texas-jim | 16.03.10, 01:35 | 'Egalitaeten'
Eine Nacht mit dem, was bleibt.

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Ich als Advokat des Teufels. Immer, auch mir selbst gegenüber, und kein Entrinnen.

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Dienstag. Das Wochenende ist nah, und das bitte mit leicht fliegender Hektik gesprochen.
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Sonntag, 14. 03 10

texas-jim | 14.03.10, 23:31 | 'Der Vollstaendigkeit halber'
Es scheint so, als hätte ich neben dem Radfahren eine weitere Leidenschaft fürs Erwachsensein entdeckt, wobei Erwachsensein hier im Sinne von Verschrobensein heißen soll. Mit leichtem Kopfschütteln, immer für ein bißchen Klatsch gut, und immer mit dem Hintergedanken, da sei jemand nicht ausgelastet. Wie dem auch sei: die Mundharmonika.

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Vier Kinder im Kurs, die ich alle an die Wand nageln könnte. Vier ältere Damen, die sich nur ums Mittagessen sorgen. Dazwischen ich und ein Lehrer mit Backenbart.

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Bei den "Jungs" will er mich nicht einteilen, und bei den "Erwachsenen" auch nicht. Das führt dazu, daß ich in den Kanons mein eigenes Stimmchen habe und in den Grüppchen immer vorspielen muß.

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Neid auf diese unglaubliche, federleichte Musikalität.

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Immer, wenn ich mal nicht durch die Harmonika atme - sie ist kein Blasinstrument im eigentlichen Sinn, weil man sie in beiden Richtungen spielt - , weil ich mal wieder aus dem Takt geflogen bin und mich dann auch nicht mehr so sehr auf Finger, Lippen und darauf, nicht zu ersticken oder zuviel Sabber in die Kanzellen zu pusten, konzentrieren muß, höre ich, wie schräg wir noch klingen.

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Wie mich die Kinderlieder abstoßen. Die mochte ich nie, ich war schon immer ein Rocker. Meine Schlaflieder waren von den Animals, den Stones, vom Meister Dylan.

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Wie mich das Lied vom Seemann fasziniert. Stundenlang übe ich und wünschte, ich säße auf dem Felsen über dem Dorf, die Füße baumelnd, in kurzen Hosen, und spielte dieses Lied hinunter.

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Und ich hatte immer Angst, mir würde irgendwann nichts mehr zu tun einfallen! Dabei muß man nur die Genauigkeit steigern, schon springt es einen an, füllt die Tage aufs Angenehmste.

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Ich kaufe ihm die Harmonika ab, und ich zweifle tatsächlich, weil ich zuvor die Preise nicht im Netz gesehen habe. Wie es uns abhängig macht und unsicher und beeinflussbar. Wo bleibt meine eigene Einschätzung des Wertes? Dieser gesunde Menschenverstand, von dem man so viel hört?
Zaudernd kaufe ich das Instrument, und abends warte ich mit den Fingern über der Tastatur, bis ich mir sicher bin, ob ich wissen will, wie ich denn nun wieder übers Ohr gehauen worden bin.

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Seine Liederbücher verkneife ich mir dann doch.

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Es scheint, keiner esse meine Kekse, aber es mag mir auch niemand sagen, ich solle keine mehr backen.

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Wie ich beschützen, behüten möchte, mit derselben Hilflosigkeit und Sturheit wie ein Rind.

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Eine Leinwand, ein Projektor, und irgendwann geben wir auf. Das reicht mir für einen Samstagabend, und diesem Eingeständnis fehlt jede Bitterkeit. Nach dem Altwerden üben wir nun die Sesshaftigkeit. Ab heute in diesem Theater.

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Wie viel es vorzubereiten gäbe für den Ausflug auf den Gletscher. Organisieren nennen sie das hier und ziehen die Stirn wichtig hoch. Ich horche mir die kurzatmig vorgetragene Stakkato-Liste an - Sie merken schon, ein Musiker! - und winke bei allem ab. Selbst die Ski kann man dort sicher leihen, und es läge mir fern, daraus eine Wissenschaft zu machen.

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Ob ich jetzt noch schnell ein Schlafliedchen...?
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texas-jim | 14.03.10, 23:02 | 'Nicht drueber nachdenken'
Daß Intelligenz nicht einfach so aufsummierbar ist, erkennt man ja auch daran, daß zu Beginn alle gemeinsam blöd dastehen und es hinterher wieder jeder einzelne besser gewusst hat.
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texas-jim | 14.03.10, 12:50 | 'Strippen und so'


Ich habe wohl einen Verehrer.
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